chrisTINA @ jacobINA



30 Januar 2009

kulturelles der letzten wochen

immer wieder gibt es anlass zu festen, die bunt, lange und ausgelassen gefeiert werden, selbst wenn es sich bei den anlaessen nicht immer nur um freudige handelt.

in jacobina fand am 23.11.08 ein fest zum "dia da consciência negra" statt. der jaehrliche gedenktag am 20.11. erinnert an das bewusstsein der schwarzen und an den schwarzen freiheitskaempfer und helden zumbi dos palmares, der - 40jaehrig - am 20.11.1965 ermordet wurde. heute ist der 20.11. in 200 brasilianischen staedten ein feiertag, allerdings ironischerweise nur in einer einzigen stadt bahias, jenem bundesstaat, in dem der hoechste anteil der schwarzen bevoelkerung brasiliens lebt. jacobina hat seinen eigenen zumbi, ein grosser kaempfer um die rechte der armen bevoelkerung, der vor mehr als 20 jahren eine landbesetzung anfuehrte und schliesslich am 21.11.1988 - einen tag nach geschichtstraechtigen zumbi-todestag - von den schergen der grossgrundbesitzer ermordet wurde. diese sind bis heute unbestraft. das land allerdings ist nun jenes der landbesetzer. der name des mutigen mannes war moisés vitório dos santos und seine letzten worte waren: "... é meu sangue será o documento desta terra." (... und mein blut soll das zeugnis dieser erde sein.)

die fotos zeigen die veranstaltung und die umgebung der viertel bananeira und boadeira in jacobina.

am 6.1.09 nahmen wir in einer communidade der nachbarstadt mirangaba an einem "samba de rei" (Samba zu Ehren der Hl. 3 Koenige) fest teil. gruppen aus der gesamten region rund um jacobina fuehrten taenze, theater und capoeira vor. trotz grosser hitze und nur einem schattenspendenden mangobaum kamen viele, um dem fest beizuwohnen. es war wirklich sehr bunt und beindruckend: viiiieeeeele fotos

29 Januar 2009

sommer-jaenner-fruechte...



herzlichst aus brasil
(marineide und jaca-fruechte | foto by christinE b.)

18 Januar 2009

oficina teatro do oprimido


erfahrungsaustausch à la bumerang: an fuenf abenden zeige ich der theatergruppe der pfarre die methoden des theaters der unterdrueckten, dessen begruender der brasilianer augusto boal ist.

am ersten abend versuchten wir uns im statuentheater, einer technik, die sich entwickelte als boal mit indigenen voelkern in peru arbeitete, deren sprache er nicht verstand - und vice versa. im statuentheater wird deshalb hauptsaechlich mit (von menschen dargestellten) bildern gearbeitet und grossteils wird dabei nicht gesprochen. gerade fuer mich als portugiesisch-anfaengerin ist es sehr interessant geradezu vorteilhaft, nicht (nur) auf die sprache angewiesen zu sein.















nach diversen aufwaermuebungen werden unterdrueckungsbilder geformt, die problembehaftete situationen darstellen (realbild der unterdrueckung). danach versucht die gruppe ebendiese situation ohne unterdrueckung bildhaft auszudruecken (idealbild). in einem prozesshaften ablauf werden schliesslich moegliche uebergaenge vom real- zum idealbild erarbeitet. mehr infos zum theater der unterdrueckten:
international theatre of the oppressed organisation

07 Januar 2009

kinderschminken















in windeseile hat sich rumgesprochen, dass ich die frau bin, die gesichter bemalt und auch projektfremde kids haben mich auf der strasse schon darauf angesprochen. die kinder wuerden am liebsten jeden tag geschminkt werden.

also machte ich ihnen vor ferienbeginn die freude noch mal. wegen dem gedraenge musste ich zuerst die reihenfolge auslosen. und dann begann die malerei am laufenden band ;-) 3o an einem tag war dann aber doch ein rekord, den ich nicht unbedingt wiederholen muss (au, au, au, mein ruecken...)

trotzdem muss ich zugeben, ich freu mich auch schon wieder auf die naechste malaktion...

fotos


21 Dezember 2008

feliz natal















ein friedvolles weihnachtsfest und einen guten start in das neue jahr 2009, das uns hoffentlich allen eine gute zeit bringt.
herzlichen dank an alle, die mich mit gedanken, taten und anteilnahme unterstuetzen, besonders an meine wundervolle familie und guenter, an die lieben pflegeeltern meiner beiden katzen sowie an meine freundinnen und freunde und das maz-team. mit euch als rueckhalt ist alles viel viel leichter. muito obrigada!
beijos, christina

12 Dezember 2008

ich waer gern ein schmetterling...


... oder ein gespenst, eine katze, ein loewe, eine schlange... jungs wie maedchen waren gleichermassen begeistert. und ich auch.

fotos

04 Dezember 2008

mein (all)tag...

... ist gar nicht so einfach zu beschreiben.

meistens stehe ich kurz nach 6 uhr auf. die temperatur ist um diese tageszeit angenehm kuehl, der himmel ist meistens bewoelkt und ein leichter wind weht. zu dieser stunde kann man sich kaum vorstellen, dass es tagsueber um die 35 grad kriegen wird. etwa 20 minuten brauche ich, um den garten zu giessen, in schlaftrunkener stimmung ist das eine angenehme taetigkeit um aufzuwachen. es ist friedlich still um diese zeit, obwohl schon viele leute unterwegs sind. waehrend ich giesse, sehe ich frauen mit ziegen vorbeigehen, die unterwegs zur roça (= bauernhof) sind, maenner auf eseln reitend, kinder auf dem weg in die schule...

ich bin umgezogen und seit 4 wochen wohne ich jetzt alleine, mit bereits erwaehntem kater namens gato (was wiederum kater heisst). gato ist noch recht jung und meiner vorgaengerin in diesem haus - renate aus oberoesterreich - zugelaufen. er springt mir mit vorliebe an die unbekleideten unterschenkel, weshalb unsere beziehung oft ein wenig laut ist. ausserdem beschwert er sich ohne ende ueber das katzenfutter und moechte alles probieren, was ich so esse. mit vorliebe isst er feijão (= bohnen), heute hat er ein stueck banane verspeist. der stadtteil in dem ich jetzt wohne liegt etwas zentraler als das casa laris neben der fazendinha. gleich gegenueber liegt das casa de repouso (ein alternatives heilzentrum der pfarre) und schraeg gegenueber wohnen marineide und isabel. und das tolle daran ist: der urwald befindet sich fast vor der tuer. binnen 15 minuten ist man mitten drin.

ich fruehstuecke immer mit marineide in ihrem haus und mache mich danach auf den weg zur arbeit, die sehr abwechslungsreich ist. seit anfang november arbeite ich mit den kids aller 3 strassenkinderprojekte mit theaterpaedagogik. ich bin deshalb dienstags im casa rebeca, mittwochs in der fazendinha und donnerstags in santa luzia.

die drei projekte befinden sich in verschiedenen vierteln von jacobina werden ueber die pfarre von padre josé betrieben. in jedem der haeuser werden in etwa 80 kinder und jugendliche betreut. die haeuser sind montag bis freitag von 8 bis 11:30 uhr und von 13 bis 16:30 uhr geoeffnet und die kids kommen zu jener tageszeit, wo sie keine schule haben. sie erhalten unterstuetzung bei den hausaufgaben, es wird gespielt - bevorzugt draussen - und es werden unterschiedliche freizeitbeschaeftigungen angeboten. am beliebtesten ist capoeira, wo fast alle jungs und viele maedchen mitmachen. es gibt auch immer eine kleine jause, was von reis bis kuchen reicht, oder was der garten grad so hergibt.

an den erwaehnten tagen gibts jeweils am vormittag und am nachmittag das theaterangebot, und je nachdem wieviele kinder teilnehmen wollen, mache ich ein oder zwei gruppen nacheinander, maximal eine stunde lang, meistens kuerzer. man muss sich vorstellen, dass die gruppen immer mit unterschiedlichen kindern besetzt sind, weil viele nicht jeden tag die projekte besuchen. das ist oft recht abenteuerlich, manchmal funktioniert es wunderbar und alle haben spass. manchmal muss ich aber auch frueher abbrechen, weil die flipflops nur so durch die gegend fliegen oder die schlaege ausarten. mittlerweile habe ich die gruppengroesse auf 8 bis 10 kinder beschraenkt, damit ich sie besser im blick habe.

montags lerne ich mit den kids in der fazendinha englisch. wir lernen farben und zahlen und begruessungen und lieder und wiederholen alles sehr oft. die kids haben zwar englisch in der schule, allerdings reicht das leider kaum aus, dass 15jaehrige die frage "how are you?" beantworten koennen.

die finanzierung der 3 strassenkinderprojekte erfolgt ueber spenden aus oesterreich und steht auf sehr wackligen beinen. leider ist die bevoelkerung vor ort grossteils nicht in der lage zu unterstuetzen und die reichen leute sind nicht daran interessiert, dass die kinder der armen gut betreut werden. auch die stadtverwaltung unterstuetzt sehr wenig und da im moment die buergermeisterfrage noch nicht geloest ist, kommt von dieser seite auch keinerlei zuwendung. eine traurige realitaet, die sehr viele soziale projekte in brasilien betrifft.

freitags helfe ich marineide in der pastoral da criança, wo familien mit kindern von 0 bis 6 jahren unterstuetzt werden. diese arbeit ist aufsuchend, die freiwilligen mitarbeiterInnen fahren in communidades in und ausserhalb von jacobina und wiegen die kinder, reden mit den muettern oder eltern hinsichtlich richtiger ernaehrung etc., bringen den kindern und eltern brincadeiras (= spaesse, spiele) bei. in jacobina leiden geschaetzte 6.000 menschen hunger, was bedeutet dass sie nicht taeglich eine mahlzeit erhalten. viele familien wohnen in haeusern mit nur 2 raeumen mit vielen kindern. oft sind diese haeuser nur mit erdboden ausgestattet, dann ist asthma auch ein grosses problem. die arbeit in der pastoral da criança ist sehr interessant und wird ausschliesslich von freiwilligen gemacht. deshalb wird auch immer nach neuen wegen gesucht, geld aufzutreiben. derzeit sammeln wir tausende von kassenzetteln fuer eine aktion der regierung, die sozialen projekten pro kassenzettel 2 centavos rueckverguetet. man muss sie immer zu 25 stueck zusammenheften. muellsaecke voller papier muessen gezaehlt werden. es ist eine recht meditative beschaeftigung und fuer mich erholung zur gruppenarbeit. (ich vermute ja eine steuerkontrolle hinter dieser aktion oder es sollen wirklich alle bis 25 zaehlen lernen, weil wenn es weniger oder mehr pro paket sind, werden 1.000 stueck wieder abgezogen! fuer mich ist es ja nicht schlecht, ich kann jetzt im schlaf bis "vinte e cinco" zaehlen).

samstags und sonntags ist meistens auch irgendwas los. fixpunkt ist die fahrt zum markt am samstag 6 uhr morgens, um die einkaeufe fuer die ganze woche zu erledigen. das bunte treiben am markt ist herrlich, ich liebe das getuemmel, die gerueche, die farben... meine waesche muss auch gewaschen werden (kalt und mit der hand), was einige zeit erfordert. das wochenende ist immer recht schnell rum und in letzter zeit hab ich den sonntag gern zum faulenzen benutzt.

mein arbeitsablauf wird sich aber schon bald wieder aendern, weil hier in 2 wochen die ferien beginnen und die projekte im jaenner zusperren. langweilig wird mir bestimmt nicht werden. vermutlich verlagert sich meine taetigkeit dann mehr auf die pastoral da criança, die ganzes jahr ueber gemacht wird.